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Menschenrechte ... wichtiger als Religionsfreiheit?   

ite – Die Eine-Welt-Zeitschrift – weltoffen – franziskanisch – engagiert

Liebe Leserinnen und Leser,

die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 postuliert ausdrücklich das Recht jedes Menschen, seine Religion frei zu wählen und auszuüben (Art. 18) und seine Ziele gewaltlos zu verfolgen. Andererseits gibt es in den Schriften der Hochreligionen zahlreiche moralische Vorschriften und Ansichten, das Christentum nicht ausgeschlossen, die gegen die grundlegenden Menschenrechte verstossen. Wie steht es um die Gleichsetzung von Nation und Religion (Hinduismus), die eine Bevölkerungsgruppe bevorteilt? Um die Benachteiligung der Frau gegenüber dem Mann (Islam, Christentum und Judentum)? Um die Einteilung der Menschen in Kasten (Hinduismus und z.T. Buddhismus)? Um das Recht, mit Gewalt gegen sogenannt Ungläubige vorzugehen oder sie gar zu töten (Islam)?

In der Theorie müssten die Akzeptanz der UN-Menschenrechts-Charta zu einer Welt des Friedens und der religiösen Toleranz führen. Doch die Realität ist eine total andere: In allen Teilen der Welt gibt es religiös motivierte Kriege und Gewaltakte. Im Moment werden sie vor allem durch islamistische Gruppen getragen, aber nicht nur, wie das Beispiel des buddhistischen Myanmar zeigt, wo die Minderheit der muslimischen Rohingas verfolgt wird. Keine Religion kann ihre Hände als Friedensengel in Unschuld waschen.

Wie fördern Religionen den Frieden, statt Unfrieden und Krieg zu stiften? – Das ist die zentrale Frage der Gegenwart und auch dieses Heftes. Einfache Antworten gibt es keine, vielmehr zahlreiche Versuche, auf der konkreten Ebene gegen den Strom zu schwimmen. Meistens kommt man mit theoretischen Diskursen nicht weiter, das Geheimnis liegt in der Praxis!

Ihr Beat Baumgartner